Ostwind

Langzeitbeobachtung dörflicher Strukturen in Oberschlesien

Die fotografische Arbeit Ostwind entstand über einen Zeitraum von fünf Jahren und widmet sich den ländlichen Räumen Oberschlesiens. Im Mittelpunkt stehen Dörfer, deren Strukturen durch historische Brüche, industrielle Umnutzungen und demografischen Wandel geprägt sind.

Die Serie untersucht, wie sich Vergangenheit im Raum hält – in Architekturfragmenten, gewachsenen Wegenetzen, Spuren landwirtschaftlicher Nutzung – und wie sich diese Vergangenheit zugleich auflöst, überformt oder stillgelegt wird. Zwischen neuen Fassaden und leerstehenden Höfen, gepflegten Vorgärten und verfallenden Nebengebäuden entsteht ein Spannungsfeld, das keine eindeutige Lesart zulässt. Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich; es entsteht ein Zustand zwischen Kontinuität und Auflösung. Ostwind verzichtet auf ethnografische oder soziologische Rahmung. Die fotografische Perspektive bleibt zurückhaltend, beobachtend, aber genau. Sie richtet sich auf Details, auf Übergänge, auf atmosphärische Verdichtungen.

Die Arbeit versteht sich als offenes Archiv eines ländlichen Raumes im Wandel – eines Raumes, der nicht spektakulär ist, aber viel über historische Tiefenschichten, strukturelle Veränderungen und die Sichtbarkeit von Geschichte im Alltag erzählt.